Vom Koitus bis zum Tod


20 Uhr: Die Kinder sind in ihren Betten eingeschlafen. Im Elternzimmer summt der Laptop, der Film ist gestartet, das Kissen sitzt, der Arm des Mannes auch. Das Bett als Altar der Liebe.

20.15 Uhr: Die Dreijährige tappt ins Elternzimmer, zwängt sich zwischen Mann und Frau, kommentiert die neue, bequeme Lage mit einem entwaffnenden «soooh». Der Film wird beendet.

20.40 Uhr: Das Baby hat Hunger.

21.20 Uhr: Der Mann und die Dreijährige schlafen.

21.22 Uhr: Die Frau trägt die Tochter ins Kinderbett und legt sich neben den schwer atmenden Mann.

24 Uhr: Das Baby hat Hunger.

1.30 Uhr: Die Dreijährige träumt von einem Riesenfrosch und muss das im Elternbett mit ihrer Mama verarbeiten.

3 Uhr: Das Baby hat Durst.

3.30 Uhr: Und den Nuggi verloren. Die Frau wünscht sich ihr Bett als Grab. Lieber tot als noch ein einziges Mal aufstehen.

5 Uhr: Das Baby brüllt.

Die Frau erwacht auf dem Fussboden neben dem Babybett, notdürftig auf einer Decke gebettet. Das Baby freut sich über die Gesellschaft und lächelt zahnlos. Seine Mama verzeiht ihm alles.

Schwieriger wird es der grosse, starke Kerl auf der weichen Matratze haben, wenn er auch an diesem Morgen beim Frühstück feststellen wird: Was für eine gute Nacht, endlich hat mal keiner geschrien.